Dietmannsdorf entsteht

Dietmannsdorf, benannt nach seinem vermutlichen Gründer Dietmar, einem Salzburger Kirchenfürsten, war Eigentum des Hochstiftes Salzburg. Am Ende des 12. Jahrhunderts gelangte Dietmannsdorf schließlich an das Stift Admont.

Die Dietmannsdorfer Kirche

Das Kirchlein, dem hl. Johannes dem Täufer geweiht, ist unter der Salzburger Herrschaft errichtet worden. Im Jahre 1171 findet sich bereits seine erste, in einem päpstlichen Erlass enthaltene urkundliche Bestätigung. Bauliche Merkmale weisen auf die Mitte des 12. Jahrhunderts als Entstehungszeit: Die klaren Unterscheidung der romanischen Raumform des rechteckigen, flachgedeckten Schiffes, des eingewölbten Chorquadrates und der halbkreisförmigen Apsis lässt sich auch am Außenbau deutlich ablesen. Schmale Rundbogenfenster am Schiff und am Rundtor und des mit Säulen, Würfelkapitellen und einem Rundbogenwulst ausgebildete Steinportal an der Westseite sind weitere Charakteristika de romanischen Baukunst, die nur selten in solcher Klarheit und Ursprünglichkeit überliefert sind.
Zu Vergleichen in der Anlage und in  den Maßen kann die Johanneskapelle in Pürgg herangezogen werden, wenn auch dort der runde Chorschluss fehlt. Die Säulenkapitelle des Einganges ähneln den romanischen Arkaden im Kreuzgang des Stiftes Seckau. Die spiralförmigen Eisenbeschläge des Holztores, die im Westportal der Pürgger Pfarrkirche eine Parallele besitzen, sind ebenfalls ein seltenes und wertvolles Relikt aus romanischer Zeit.
Die westliche Giebelwand wird von einem spitzhelmig abgeschlossenen Dachreiter überragt. An der Südwand sind die von späteren Feuerausbrüchen gestörten Reste von Fresken zu sehen, die auf eine Entstehungszeit um das Jahr 1300 zurückgehen mögen: Eine großfigurigen Schutzmantelmadonna und ein etwa vier Meter hoher hl. Christopherus.
Wer das Bild dieses Heiligen am Morgen sah, blieb den ganzen Tag vor Unheil und Tod bewahrt. Deshalb war der hl. Christopherus stets an weithin sichtbarer Stelle und in großen Dimensionen angebracht worden (auch die alte Andreaskirche besitzt unter Putz an der Außenwand einen großen Christopherus).

Der Innenraum

Das Innere überrascht durch die Vielfalt und die Farbenfreudigkeit der reichen Ausstattung. Bestimmend sind die drei Altäre, aus breiten flachen Rahmen bestehend, die mit vergoldeten und versilberten, von Granatäpfeln durchsetzten Akanthusranken bestückt sind. Im Hochaltar ist das Bild der Taufe Jesu durch Johannes Baptist eingesetzt, im linken Seitenalter findet sich die Darstellung des hl. Sebastian, dessen durch Pfeile verwundeter Körper von zwei Frauen gepflegt wird. Im rechten Seitenaltar ist der hl. Martin hoch zu Pferd zu sehen, der seinen Mantel mit dem am Boden kauernden Bettler teilt. Die Altarblätter, der Überlieferung nach im Jahre 1732 gemalt, werden dem Grazer Hofkammermaler Johann Bapt. Raunacher zugeschrieben.
Die Jahreszahl 1655 im Scheitel des Triumphbogens erinnert an eine wesentliche Umgestaltung der Kirche: Der Einbau von kreisrunden Fenstern im Schiff und im Chorquadrat, sowie die buntgefasste Kanzel mit den vier bemalten Feldern des Herzen Jesu und die vier Evangelisten stammen aus dieser Periode, der Zeit des Abtes Urban, der auch das Schloss Röthelstein erbauen ließ.
Zur barocken Epoche gehören auch die Reliquienkästchen mit den seltenen vollgearbeiteten Stickereien und die auf Konsolen gestellten Figuren der hl. Elisabeth und des hl. Zacharias. Im Schiff sind die Bildnisse des „Klagenfurter Hauptes“ Christi mit der Schulterwunde und die schmerzhafte Muttergottes einander zugeordnet. Die 14, gegen Ende des 18. Jahrhunderts gemalten Kreuzwegstationen sind an der Brüstung der Orgelempore angebracht, auf der auch die spätbarocken Prozessionsfahnen und ein Bildnis der jungen Maria, die das Lesen lernt, aufbewahrt werden.

Die Wandmalereien

Einblick in das mittelalterliche Aussehen der Kirche vermitteln die im Schiff, Chorquadrat und in der Apsis entdeckten Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Die jüngeren Fresken, die durch einen holzschnittartigen spröden Stil charakterisiert werden, wurden vom gleichen Meister wie Arbeiten in Bad Gastein, Schöder und St. Bartholomä in Hohentauern geschaffen. Vor allem im Chorbereich haben die Fresken durch starke Feuchtigkeit gelitten, sodass nur mehr Fragmente den einstigen Eindruck wiedergeben.
Zwei spätgotische Flügelaltäre aus der Zeit um 1520 wurden im Jahre 1904 an das Landesmuseum Johanneum verkauft. Der eine Altar zeigt Johannes den Täufer, der andere die Pestpatrone Sebastian und Rochus. Warum die Altäre verkauft wurden, konnte bis heute nicht geklärt werden.
Der alte Steinboden und die alten abgenutzten Holzbänke verstärken den Eindruck der Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit dieses sakralen Raumes.
Eine umfassende Renovierung von1969 bis 1971 führte zur Rettung nun nunmehrigen Gestaltung. Die Herstellung der Dachflächen in Holzschindeln (2004 wieder erneuert), die Trockenlegung innen und außen, der Neuverputz der unteren Zonen, die Außenherstellung unter Bedachtnahme auf Verputz und Fresken, die Entdeckung und Freilegung der romanischen Rundfenster, die Reparatur der Barockfenster und schließlich als entscheidender Eingriff im Innenrau, die Entfernung der schadhaften Scheingewölbe des frühen 19. Jahrhunderts und die Wiederherstellung der dicht gereihten, romanischen Balkendecke waren die wichtigsten Aktionen. Gleichzeitig erfolgte der Einsatz von Restauratoren, die sich der arg beschädigten, verwurmten, aus den Fugen geratenen, übermalten Altäre, Rahmen, Bilder, Figuren, Reliquiare und der mühevollen Freilegung und Konservierung der unter Kalktünchen verborgenen gewesenen Wandgemälde annahmen.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die Kirche in der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Besitz des Stiftes Admont in das Eigentum der Ortsgemeinschaft überwechselte.

Quelle: Auszug aus der Kirchenbeschreibung von Landeskonservator Dr. Ulrich Ocherbauer
             Gerstbrein, Schweiger – Christliche Kulturdenkmäler in Trieben