Alte Tauernstraße

Der Triebener Tauern ist ein Gebirgspass über die Niederen Tauern. Er liegt an der Scheide zwischen Seckauer und Rottenmanner Tauern und verbindet das Murtal bei Judenburg (Aichfeld) mit dem Paltental bei Trieben über die Triebener Straße (B114).

Die „Via Norica“ und das Mautrecht

Die wichtigste Straße, die die Obersteiermark durchzog, führte von Aquileia (unweit von Venedig) über Neumarkt, den Triebener Tauern nach Wels. Ihr Bau begann unter Claudius (41-54), dem Schöpfer der Provinz Noricum.
Diese teilweise gepflasterte Kunsstraßen dienten in erster Linie für den militärischen Gebrauch, aber ebenso friedlichen Zwecken, wie dem Handel. Entlang diese Norischen Hauptstraße wurden Post- und Pferdewechselstationen errichtet, die in rasches und bequemes Reisen ermöglichten.

Tauernstraße um 1937

Die Abkürzung nach Strechau

Die Verbindung Möderbrugg – Strechau ist in der Luftlinie kürzer als die über Hohentauern – Trieben – Rottenmann. Sollte man in dieser Zeit beladene Tragtiere von der Strechau herauf geführt haben, so könnte das der Grund in der damals noch erheblichen Unwegsamkeit der Schlucht zwischen Hohentauern und Trieben gehabt haben, die allerdings in der Zeit der Römerherrschaft über Noricum schließlich technisch bewältigt wurde.
Diesen Weg wählte auch Erherzog Johann, als er am 21. Juli 1823 mit seiner späteren Frau Anna Plochl im Schloß Strechau verabredet war.

Der Tauernpaß und die Bedeutung von St. Lorenzen

Die nächste Station war Sabatinca (St. Johann am Tauern). Diese Station, die genau in der Mitte zwischen Enzersdorf und Trieben lag, 4 Wegstunden von den genannten Wegstationen entfernt war, lässt eine Haltestelle fast mit Sicherheit vermuten.
Jedenfalls wird die nächste Station Surontio zwischen Trieben und St. Lorenzen vermutet. Beim Hochwasser von 1965 wurde zwischen Trieben und Hohentauern ein Stück der Straße weggerissen und dabei 1,8 m unter dem Straßenniveau die alte römische Straße, ein Prügelweg, freigelegt.
St. Lorenzen im Paltental war wohl eine der wichtigsten Straßenknotenpunkte der damaligen Zeit. Wohl auch die bedeutendste Siedlung und vielleicht auch als der älteste Ort des Paltentals anzusehen.

Tauernstraße um 1967

Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert

Das Stift Admont hat mit den sogenannten „Gurkrossen“ schon im Mittelalter eine Transportorganisation geschaffen. Im Jahre 1448 mussten 44 Bauern aus der Umgebung von Admont (Wenig, Hall, Ardning und Admont) 29 Gurkrosse für Salztransporte von der Saline Hall über den „Hallweg“ und den Triebener Tauernpass als Robotleistung zur Verfügung stellen:
Neben den Triebener Tauern wurde auch der Säumerweg über den Sölkpass (1790 m) schon in der Römerzeit begangen, er war die kürzeste Verbindung zwischen dem Donauraum und Oberitalien.
Schließlich nahm der Verkehr auf dem Triebener Tauernpass ständig zu und im 18. Jahrhundert war in diesem Bereich sogar ein Schneeräumdienst im Winter eingerichtet.

Unser 20. Jahrhundert

Neubau Tauernstraße 1968

Nach der Hochwasserkatastrophe im Mai 1907, welche zwei Todesopfer forderte und einen Schaden von einer Million Kronen verursachte, wurde unverzüglich mit der Wildbachverbauung des Triebentalbaches im Wolfsgraben begonnen.
Am 1. Juni 1930 begann der erste Postkraftwagenverkehr mit einem offenen Omnibus von Trieben über Hohentauern nach Judenburg.
Das Jahr 1938 brachte nicht nur den Anschluss Österreichs an Deutschland, sondern für die Gemeinden Hohentauern und Trieben eine weitere Hochwasserkatastrophe. Die Ursache für dieses Hochwasser war eine für diese Jahreszeit noch große Schneemenge auf den Bergen und eine plötzlich einsetzende Schneeschmelze infolge eines anhaltenden warmen Regens Ende Mai. Die Straße nach Trieben wurde durch Abrutschen des Berghanges unpassierbar.

Nach dem Bergrutsch von 1938

Tauernstraße nach Hochwasser 1938

Nach der Abrutschung von 1938 wurde die Tauernnotstraße errichtet, welche bis zum Neubau des sogenannten „Untertauern“ von Trieben aufwärts als Verkehrsverbindung diente. Die Straße war sehr steil (21%!) und nichts asphaltiert.
Mit dem Beginn der 80er Jahre wurde dann mit dem Ausbau der Triebener Tauernbundesstraße im Bereich Brotjäger-Hohentauern begonnen. Der Passübergang mit der Ortsdurchfahrt Hohentauern ist somit auf neuzeitlichen Stand, doch bleibt im Verlauf tiefergelassener Abschnitte des Triebener Tauern noch viel zu tun.
Zwischen 1950 und 1955 wurde rechtsufrig des Tauernbaches eine neue Trasse errichtet und die nach 1938 errichtete Straße aufgelassen und nur mehr für die Bewirtschaftung der Wälder und der bestehenden Kraftwerke benutzt. Gleichzeitig bietete diese Straße die Betreuungsstrecke für die Wildbachverbauung. 1999 begann das Amt der Stmk. Landesregierung, Fachabteilung 2a mit der Planung einer neuen Trassenführung, da die in den 50er Jahren errichtete Straße durch Abrutschungen des Berghanges beschädigt wurde.

Das neue Projekt wird in Verbindung mit dem Hochwasserschutz für Trieben errichtet (Schutzdamm ist gleichzeitig Überquerung für die Bundesstraße), wobei vom Ortsgebiet Trieben aus an der Ostseite einer Unterflurtrasse errichtet wurde, um die Lärmentwicklung zu lindern.
Die neue B114, Triebener Straße, von Trieben nach Judenburg über den Hohentauern (Seehöhe 1.280 m), verbindet als geländemäßig schwierige Nord-Süd-Achse die natürlichen Erschließungsfurchen des Palten- und Liesingtales mit dem Murtal als Hochleistungswegenetzträger der A9 (Phyrnautobahn) und der S 36 (Murtalschnellstraße).

Neubau Streckenabschnitt Trieben – Sunk

B114 Tauernstraße 2012

Neben einigen engen Kurven und Steigungen bis zu 16 % war das untere Steilstück zwischen Trieben und Sunk bis Oktober 2008 noch nicht ausgebaut. Dieser Teil der Straße begann im Stadtzentrum von Trieben. Zwar gab es Beschränkungen für Schwerfahrzeuge, was aber trotzdem immer wieder zu gefährlichen Situationen führte, auch wegen schadhafter oder überhitzter Bremsen.

Am 21. Juni 2006 erfolgte der Spatenstich zu einem kompletten Neubau des Abschnitts zwischen Trieben und Sunk. Da es auf dem Straßenstück auch immer wieder zu Massenbewegungen kam, die einen hohen Sanierungsaufwand erforderten, entschloss man sich, die neue Straße auf der geologisch günstigeren Westseite des Wolfsgrabens zu errichten. Zur Entschärfung der Steigungsverhältnisse wurden zwei Kehren gebaut. Das steile Gelände erforderte umfangreiche Hangbefestigungen und den Bau großer Stützmauern.

Am 23. Oktober 2008 erfolgte die Verkehrsübergabe der neu erbauten Strecke, die nun nur mehr maximal 10 % Steigung aufweist. Wegen des kurvenreichen Straßenverlaufs bestehen weiterhin Gewichts- und Längenbeschränkungen. 

Das alte Straßenstück wurde zu einer Forststraße rückgebaut. Große Teile der Straßentrasse wurden mit Gesteinsmaterial verfüllt und Brückenbauten abgetragen.

Quellen: Trieben – eine Stadt stellt sich vor – Detailbericht, Ennstalwiki