Brauchtumsfeuer, worauf ist zu achten?

Information zum Abheizen von pflanzlichen Materialien

 
Für das Entfachen von „Brauchtumsfeuern“ als Ausnahme vom Verbot des Verbrennens von biogenen Materialien außerhalb dafür bestimmter Anlagen nach den Bestimmungen des Bundesluftreinhaltegesetzes bestehen strenge zeitliche Einschränkungen!

Brauchtumsfeuer?

Brauchtumsfeuer sind Feuer im Rahmen von Brauchtumsveranstaltungen, die ausschließlich mit trockenem, biogenem Material beschickt werden. Als solche Feuer gelten:

  • Osterfeuer am Karsamstag (31. März 2018); das Entzünden des Feuers ist im Zeitraum von 15 Uhr des Karsamstags bis 3 Uhr früh am Ostersonntag zulässig;
  • Sonnwendfeuer (21. Juni 2018); da der 21. Juni nicht auf einen Samstag fällt, ist das Entzünden eines Brauchtumsfeuers anlässlich der Sonnenwende auch am nachfolgenden Samstag, den 23. Juni 2018, zulässig;
  • Feuer im Rahmen regionaler Bräuche, die das Abheizen eines Feuers beinhalten, wenn sie auf eine langjährige, gelebte Tradition mit eindeutigem Brauchtumshintergrund verweisen können (diese Feuer sind bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft anzuzeigen!).

Bei hoher Ozonbelastung sind zusätzliche Verbote möglich. Ein Ausweichen auf den sogenannten „Kleinen Ostersonntag“, ist nicht zulässig.

So Feuern sie richtig:

Im Gemeindegebiet von Graz ist das Entfachen von Brauchtumsfeuern GANZJÄHRIG VERBOTEN – siehe dazu Externe Verknüpfung Brauchtumsfeuerverordnung 2011, LGBl. Nr. 22/2011 i.d.F LGBl. Nr. 38/2015.

In den nachstehenden Gemeinden darf jeweils nur ein Brauchtumsfeuer entfacht werden, das von der Gemeinde veranstaltet wird. Die Gemeinde darf sich hierfür auch eines Vereines oder einer Organisation als Veranstalter bedienen, wobei die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Ablauf der Gemeinde obliegt. Die Gemeinde hat dieses Brauchtumsfeuer bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft anzuzeigen!

Feldkirchen bei Graz, Fernitz-Mellach (je eines in den Alt-Gemeinden Fernitz und Mellach), Gabersdorf, Gössendorf, Gralla, Hart bei Graz, Hausmannstätten, Kalsdorf bei Graz, Lang, Lebring-St. Margarethen, Leibnitz (keine Beschränkung in der Alt-Gemeinde Seggauberg, je eines in den Alt-Gemeinden Kaindorf an der Sulm und Leibnitz), Raaba-Grambach (je eines in den Alt-Gemeinden Raaba und Grambach), St. Veit in der Südsteiermark (keine Beschränkung in den Alt-Gemeinden Sankt Nikolai ob Draßling und Weinburg am Saßbach), Seiersberg-Pirka (je eines in den Alt-Gemeinden Seiersberg und Pirka), Straß in Steiermark (je eines in den Alt-Gemeinden Straß in Steiermark, Obervogau, Spielfeld, Vogau), Tillmitsch, Unterpremstätten-Zettling (je eines in den Alt-Gemeinden Unterpremstätten und Zettling), Wagna, Werndorf, Wildon (keine Beschränkung in der Alt-Gemeinde Stocking, je eines in den Alt-Gemeinden Wildon und Weitendorf), Wundschuh.

Außerhalb der Stadt Graz und der oben angeführten Gemeinden dürfen Brauchtumsfeuer auch von privaten Personen entfacht werden. Dabei sind die gesetzlichen Vorgaben insbesondere der BrauchtumsfeuerVO einzuhalten.

In Gemeinden, die in einem Sanierungsgebiet im Sinne des § 2 Stmk. Externe Verknüpfung Luftreinhalteverordnung 2011 (LGBl. Nr. 2/2012 i.d.F. LGBl. Nr. 11/2018) liegen, sind nur Oster- und Sonnwendfeuer zulässig!

Es darf nur trockenes Holz (Baum- und Strauchschnitt) ohne Rauch- und Geruchsentwicklung punktuell (d.h. im unmittelbaren Anfallsbereich der Materialien) verbrannt werden (nur unter diesen Voraussetzungen handelt es sich nicht um Abfall). Ein „Zusammensammeln“ von Strauch- und Baumschnitt zu sehr großen Feuern ist nicht zulässig! In jedem Fall sollten Sie bereits länger gelagertes Material umlagern, um Kleintieren (z.B. Igel, Mäuse, Vögel) ein Überleben zu ermöglichen!

Keinesfalls dürfen Abfälle, insbesondere Altholz (Baumaterial, Verpackungen, Paletten, Möbel, usw.) und nicht biogene Materialien (Altreifen, Gummi, Kunststoffe, Lacke, usw.) bei Brauchtumsfeuern mitverbrannt werden.

Dabei ist auch zu beachten, dass von der Gemeinde bzw. von einem privaten Unternehmen abgeholter Strauch- und Baumschnitt (Grünschnittsammelstellen, Strauch-schnittabfuhr, Häckseldienst) als Abfall gilt und daher keinesfalls für Osterfeuer verwendet werden darf. Die Gemeinde bzw. das Unternehmen hat mit der Übernahme die Verpflichtung zur Verwertung nach den Vorgaben der Verordnung über die Sammlung biogener Abfälle übernommen!!!

Die bei den Brauchtumsfeuern anfallenden Aschen sind entsprechend den abfallrechtlichen Bestimmungen zu verwerten bzw. zu entsorgen. Bei einer stofflichen Verwertung sind die Vorgaben der Externe Verknüpfung Richtlinie für den sachgerechten Einsatz von Pflanzenaschen zur Verwertung auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen (BMLFUW, Jänner 2011) einzuhalten.

Verbrennen von nicht geeigneten Materialien und das Verbrennen außerhalb der vorgesehenen Brauchtumstage (Karsamstag, 21. Juni – Sonnwendfeier) wird von der Bezirksverwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe bis zu € 3.630.– gemäß Bundesluftreinhaltegesetz bestraft!

Materialien pflanzlicher Herkunft sind im unmittelbaren Bereich des Haushaltes oder der Betriebsstätte zu verwerten (Einzel- oder Gemeinschaftskompostierung) oder der Sammlung biogener Abfälle (Biotonne, Altstoffsammelzentrum, Grünschnittsammelstelle, Häckseldienst, usw.) zuzuführen.

Nutzen Sie diese Möglichkeiten und verzichten Sie auf das Abbrennen im Freien! Damit vermeiden Sie auch, dass Kleintiere qualvoll im Feuer verenden!

 

Schädlings- und krankheitsbefallene Materialien?

Nach den Bestimmungen der Verordnung des Landeshauptmannes vom 8. August 2012 über die Zulässigkeit von Ausnahmen vom Verbot des Verbrennens biogener Materialien außerhalb von Anlagen (Externe Verknüpfung Verbrennungsverbot-AusnahmenVO; LGBl. Nr. 77/2012) ist das Verbrennen von schädlings- und krankheitsbefallenen Materialien zulässig, wenn

  1. dies zur wirksamen Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten unbedingt erforderlich ist und
  2. keine andere ökologisch verträgliche Methode anwendbar ist.

Das Verbrennen von schädlings- und krankheitsbefallenen biogenen Materialien ist der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde bis spätestens 24 Stunden vor dem Entzünden des Feuers zu melden und in geeigneter Form (z.B. mittels Fotos) zu dokumentieren. Die Bezirksverwaltungsbehörde hat die notwendigen Ermittlungen durchzuführen. Auf Verlangen sind die Dokumentationen der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde vorzuweisen.

 

Informationen zur „Verbrennung von biogenen Materialien außerhalb genehmigter Anlagen“ Stand: 2015

Durch die Novelle zur Brauchtumsfeuer-Verordnung des Landeshauptmannes von Steiermark vom 22.01.2015 (LGBl. Nr. 3/2015) wird die Zulässigkeit von Brauchtumsfeuern neu geregelt (LGBl. Nr. 22/2011 i.d.F. LGBl. Nr. 112/2011, LGBl. Nr.34/2012). Die Rechtsgrundlage bildet § 3 Abs. 4 Bundesluftreinhaltegesetz – BLRG, BGBl. I Nr. 137/2002, zuletzt i.d.F. (BGBl. I Nr. 97/2013)

 

Ganzjähriges Verbrennungsverbot!
Mit der Novelle zum Bundesluftreinhaltegesetz (BGBl. I Nr. 77/2010) ist das Verbrennen von Materialien pflanzlicher Herkunft außerhalb genehmigter Anlagen grundsätzlich ganzjährig verboten!

Gemäß der neuen Verordnung ist das Entfachen von Brauchtumsfeuern in der Steiermark – abgesehen von den unten genannten Beschränkungen – zulässig.

  • Ausnahmsloses ganzjähriges Verbot von Brauchtumsfeuern gilt im Gemeindegebiet Graz. In den lt. § 3 Abs. 3 ausgewiesenen Gemeinden im Grazer- und Leibnitzer Feld darf pro Gemeinde nur ein von dieser veranstaltetes Brauchtumsfeuer entfacht werden, welches bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft anzuzeigen ist.
  • In Sanierungsgebieten im Sinne der Steiermärkischen Luftreinhalteverordnung 2011 i.d.g.F (LGBl. Nr. 116/2014 § 2) dürfen ausschließlich Osterfeuer (am Karsamstag) und Sonnwendfeuer (am 21. Juni bzw. am nachfolgenden Samstag) entfacht werden.
  • In der restlichen Steiermark dürfen obengenannte Feuer auch von Privatpersonen entzündet werden und darüberhinaus auch Feuer im Rahmen regionaler Bräuche , die auf eine langjährige, gelebte Tradition mit eindeutigem Brauchtumshintergrund zurückgehen. Sie sind der zuständigen Bezirkshauptmannschaft anzuzeigen.

Für Osterfeuer gilt die Einschränkung, dass ein Entfachen nur zwischen Karsamstag 15 Uhr und Ostersonntag 3 Uhr erlaubt ist. Die Verlegung des Osterfeuers auf den „kleinen Ostersonntag“ ist nicht zulässig.

Sonnwendfeuer dürfen nur am 21. Juni entzündet werden. Sollte der 21. Juni nicht auf einen Samstag oder Sonntag fallen, so ist das Entzünden eines Sonnwendfeuers auch am nachfolgenden Samstag erlaubt. Verbrannt werden dürfen bei allen Brauchtumsfeuern ausschließlich Materialien pflanzlicher Herkunft in trockenem Zustand. Bei hoher Ozonbelastung sind zusätzliche Verbote möglich.

Es darf nur trockenes Holz (Baum- und Strauchschnitt) ohne Rauch und Geruchsentwicklung verwendet werden. Ungeachtet der Neuregelungen gelten auf Grund des Bundesgesetzes weiterhin nachstehende Regelungen über ein Verbot des Verbrennens biogener Materialien außerhalb von Anlagen: 

  • Verbot des flächenhaften Verbrennens von biogenen Materialien.
  • Verbot des punktuellen Verbrennens von biogenen Gartenabfällen außerhalb von Brauchtumsfeuern.

§ 4 Sicherheitsvorkehrungen

(1) Die Beschickung von Feuer im Rahmen von Brauchtumsveranstaltungen darf ausschließlich mit trockenem, biogenem Material erfolgen. Zum Entzünden oder zur Aufrechterhaltung eines Brauchtumsfeuers dürfen keine Brandbeschleuniger verwendet werden. Es sind geeignete Maßnahmen zu treffen, die eine unkontrollierte Ausbreitung des Feuers verhindern, zB durch das Bereithalten geeigneter Löschhilfen in der Nähe der Feuerstelle.

(2) Es ist auf eine möglichst geringe Rauchentwicklung zu achten, um eine unzumutbare Belästigung der Nachbarschaft zu vermeiden.

(3) Bei Brauchtumsfeuern müssen folgende Mindestabstände eingehalten werden:

  1. 50 m zu Gebäuden;

  2. 50 m zu öffentlichen Verkehrsflächen, sofern diese nicht ausschließlich land- und forstwirtschaftlichem Verkehr dienen oder keine verkehrssichernden Maßnahmen getroffen werden;

  3. 100 m zu Energieversorgungsanlagen und Betriebsanlagen mit leicht entzündlichen bzw. explosionsgefährdeten Gütern. Für solche Anlagen können von der örtlich zuständigen Behörde nach Maßgabe der Art und Betriebsmittel der Anlage im Einzelfall auch höhere Mindestabstände vorgesehen werden;

  4. 40 m zu Baumbeständen bzw. zu Wald.

(4) Brauchtumsfeuer sind zu beaufsichtigen und abschließend verlässlich zu löschen, sodass das Feuer auch durch heftige Windstöße nicht wieder entfacht werden kann.

(5) Bei Nichteinhaltung der Abstands-, Beschickungs- und Sicherheitsbestimmungen ist das Entfachen des Feuers zu untersagen bzw. ein sofortiger Löschauftrag im Sinne des § 3 Abs. 2 BLRG seitens der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zu erteilen.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 112/2011


Die Gesetzestexte finden Sie im Internet unter: www.ris.bka.gv.at

• Bundesluftreinhaltegesetz (BGBl. I Nr. 137/2002 i. d. F. BGBl. I Nr. 97/2013)

• Verbrennungsverbot– AusnahmeVO (LGBl. Nr. 77/2012)

• Bundesabfallwirtschaftsgesetz 2002 – AWG 2002 (BGBl. I Nr. 102/2002 i. d. F. BGBl. I Nr. 193/2013)

• Verordnung über die Sammlung biogener Abfälle (BGBl. Nr. 68/1992 i. d. F. BGBl. Nr. 456/1994)

• Steiermärkisches Abfallwirtschaftsgesetz 2004 – StAWG 2004 (LGBl. Nr. 87/2014)

• Steiermärkisches Feuer- und Gefahrenpolizeigesetz – StFGPG (LGBl. Nr. 12/2012 i. d. F LGBl. Nr. 87/2013)

• Immissionsschutzgesetz-Luft (§ 8) (BGBl. I Nr. 115/1997 i. d. F. BGBl. I Nr. 77/2010)

• Steiermärkische Luftreinhalteverordnung 2011 (LGBl. Nr. 2/2012 i. d. F. LGBl. Nr. 116/2014)

• Brauchtumsfeuerverordnung 2011 (LGBl. Nr. 22/2011 i. d. F. LGBl. Nr. 38/2015)

Richtlinie für den sachgerechten Einsatz von Pflanzenaschen:

www.bmlfuw.gv.at > Umwelt > Publikationen > Abfalltrennung/ Kompost

Nähere Informationen:

Abfallwirtschaft in der Steiermark: www.abfallwirtschaft.steiermark.at

Luftreinhaltung in der Steiermark: www.feinstaub.steiermark.at