Magnesitbruch im Sunk

Wann die allererste Gewinnung von Magnesitgestein im Grabendes Sunkbaches erfolgte, verliert sich im Dunkeln der Geschichte. Feststeht, dass noch vor weniger als 100 Jahren das Gestein als Marmor angesprochen und verwendet wurde.
Man dache zu dieser Zeit noch an eine Verwendung als hochfeuerfestes Material, sondern nutzt es als leicht exotischen Baustoff; es sei bei der Stiftskirche in Admont oder als Kanzelbasis im Stefansdom zu Wien.
  Mitte des letzten Jahrhunderts begann sich die Bedeutung des Rohstoffes durch seinen Bedarf in der Stahlindustrie grundlegend zu wandeln. Magnesit wurde etwa ab 1880 ein wichtiger Rohstoff, welcher von einem gewissen Herrn Mallinger im Sunkergraben im Tagbau gebrochen wurde. Im Anschluß an den Bruch wurde das Material mit einer Förderbahn zu einem Lagerplatz gebracht, von wo es mit Pferdefuhrwerken bis zum Ausgang des Wolfsgrabens gelangte.
Zu dieser Zeit war das Stift Admont als Grundeigentümer die wirklich treibende Kraft bei der Überführung der Abbaurechte an die Veitscher. Zum Jahreswechsel 1902/03 wurde dann auch ein Abbauvertrag paragraphiert.
Es vergingen 4 Jahre bis sich die neuen Gewinnungsberechtigten entschlossen, das finanzielle Wagnis eines neuen Bergbaues einzugehen. Bei einer verheerenden Hochwasserkatastrophe im Frühjahr 1907 wurden die gesamten Einrichtungen von Mallinger zerstört und die ihnen das Blechwalzwerk des Stiftes. Bereits im selben Sommer begann der Ausbau von Trieben mit sechs Schachtöfen. Im Bergbau begann man mit dem Anreißen von 14 Etagen, dem Bau von Blockhütten und Betriebsgebäuden, dem Sprengstofflager, sowie den Trassierungsarbeiten für die Seilbahn. Die eigentliche Gewinnung wurde im Sommer 1910 mit Fertigstellung der Materialseilbahn aufgenommen.
Die Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass im Geschäftsjahr 1910/11 bereits 11.ooo t Rohstein geliefert wurden. Im Geschäftsjahr 1913/14m war es bereits das 5-fache diese Menge. Die Zahl der im Bruch Beschäftigten stieg laut Betriebsbericht auf 118 Mann im Jahresschnitt. Leider bewirkte der 1. Weltkrieg auch in unserer Heimat einen schrecklichen Einschnitt. Die Produktion sank um mehr als die Hälfte. Doch man ging schon im Sommer 1918, als noch vor Ende des Krieges, dazu über, den Magnesit erstmals auch untertägig durch Strecken aufzufahren.
Nach dem 1. Weltkrieg bekam Trieben mit Dr. Gruner seinen ersten eigenständigen Direktor und produzierte zum ersten Mal seit 10 Jahren wieder mehr als 55.000 t Rohstein. Obwohl in diesen Jahren mit modernsten luftbetriebenen Abbauhämmern schon gebohrt werden konnte, waren die Arbeitsbedingungen sehr schlecht. Die ganzen Jahre nach 1920 waren insgesamt unruhig, bis sich mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 ein tiefgreifender Abstieg einstellte: die Magnesitförderung sank auf fast 6.000 t im Jahre 1932. In diesem Jahr waren Bergbau und Hütte im übrigen nur insgesamt 7 Wochen in Betrieb! Der Mannschaftsstand wurde des Jahres 1932 mit 0 angegeben.
Doch die Produktion stieg wieder und im Jahre 1937 wurden auch schon wieder 76 Mann beschäftigt. Als im Januar 1941 durch eine Rutschung der gesamte Grubenbau auf Etage 15/L zerstört wurde, entschied man sich, die unter der Talsohle befindlichen Vorräte durch einen Stollen, dem Saugrubenstollen, und einen Schacht von der Etage 14 her aufzuschließen. 1946 betrug die Produktion noch nicht einmal 6.000 t, doch 1952 stieg sie bereits auf 100.000 t und 1958 auf 174.000 t. Auch die Belegschaft stieg von52 auf 237 Mann im Jahre 1958.
Die Modernisierung der Betriebe wurde vorangetrieben und mit der Rationalisierung begannen die Leistungsziffern zu explodieren, was bedeutet, das eine geringere Belegschaft erforderlich wurde.

Die absolute Rekordziffer von 197.000 t Rohstein zuzüglich 60.000 t Abraum wurde 1956 von nur mehr 113 Mann erbracht.

Grafitabbau 1951 Hilda-Stollen 1972 Mundloch 1977

Damals gelang es, die bei hoher Produktion mindestens erforderlichen 15 Abbauorte auf 2 bis 3 zu reduzieren. Die Abbauleitung stieg von 8,5 t/MS auf etwa 23 t/MS. Bis 1965 steigerte der Bergbau durch die damals modernsten Radlager die Leistung nochmals um 100% auf 45 t/MS. Noch auffälliger die Abraumleistungen mit einer Steigerung von 60 auf 250 t/MS. 1961 wurde zusätzlich schon wieder eine weitere Tiefbausohle in 170 m Tiefe aus- und vorgerichtet.
Wenn auch die Produktionszahlen der frühen 60er Jahre nie wieder erreicht wurden, die „Würde“ des Bruches, war trotz der Aufschließung der Sohle 250m, beginnend mit 1984, vorbei.
Es dauerte infolge einer Wirtschaftskrise bis 1989 bis diese Sohle tatsächlich in Betrieb genommen wurde. Die beginnende Globalisierung überrollte bereits den Bergbau. 1991 wurde die VMAG von der Radex-Heraklith Industriebeteiligungs AG übernommen und am 03.12.1991 die befristete Betriebseinstellung des Bergbaues praktisch ohne Vorankündigung angeordnet. Am Freitag, den 13. Dezember 1991, wurde die letzte Schicht verfahren.
Insgesamt wurde über all die Jahre 5,5 Mio t Magnesit dem Berg abgerungen, viele der daran Beteiligten haben dabei schwere Schrammen und Blessuren erlitten. Etliche haben mir ihrem Leben dafür bezahlt.

Trieben – eine Stadt stellt sich vor (Detailbericht)

 

Magnesit – Entwicklungsgeschichte des Bergbaues Hohentauern

  • 1902/03 – Kauf des Magnesitbruches Mallinger sowie Abschluß eines Abbauvertrages mit dem Grundeigentümer auf 25 Jahre
  • 1907 – Beginn der Tagbauaufschließung durch Etagenanschnitt auf der rechten Bachseite. Aufnahme der Trassierungsarbeiten für die
    Materialseilbahn nach Trieben
  • 1910/11 – Fertigstellung der Materialseilbahn, Beginn der eigentlichen Magnesitgewinnung
  • 1910/13 – Bau eines Kleinwasserkraftwerkes zur Energieversorung, Bau von Unterkünften und einem Verwaltungsgebäudes
  • 1915/18 – Infolge zunehmender Abraumüberlagerung Beginn einer teilweisen grubenmäßigen Magnesitgewinnung durch Stollen von
    einzelnen Tagbauetagen aus.
  • 1922 – Höchste Rohmagnesitproduktion der Vor- und Zwischenkriegszeit mit 59.000 t Magnesitstein. Verlängerung des Abbauvertrages
    mit Stift Admont um 50 Jahre
  • 1932 – Weltwirtschaftskrise, Rohsteinproduktion von nur mehr 6.000 t Mangesitstein
  • 1933 – Aufschluss der linken Bachseite auf Etage XV/L mit Bau einer eigenen Anschlußseilbahn
  • 1941 – Verbruch des Grubenbaues der linken Bachseite Nord auf ETage XV/L erzwingt die Einstellung der untertägigen Gewinnung in diesem
    Lagerstättenteil
  • 1942 – Beginn der Unterfahrung der Lagerstätte durch Auffahrung eines Erbstollens von der „Saugrube“ aus
  • 1946 – Zu Jahresende Abteufgebinn Hauptförderschacht von Etage XIV. Inbetriebnahme des Hauptförderschachtes von Etage XIV bis Sohle
    100 m Aus- und Vorrichtung der Abbausohle 100m
  • 1954 – Beginn der eigentlichen Mechanisierung durch die Elektroversorgung der Sohle 100m; Ankauf von Schüttelruschen und Akkulokomotiven
  • 1958 – Produktion von 174.000 t Magnesitrohstein mit dem größten Belegschaftsstand von 237 Leuten im Jahresdurchschnitt
  • 1960 – Anschaffung von mobilen Großtagbaugeräten zur Rationalisierung der Abraum und Verstatzgewinnung
  • 1960/61 – Errichtung einer obertägigen Brecherstation mit nachgeschalteter Seilbahnbeladung
  • 1961/62 – Auschluß einer weiteren Abbausohle 170 m durch weiteres Abteufen des bestehenden Blindschachtes
  • 1965 – Größte je erzielte Jahresproduktion von 197.285 t Magensitrohstein
  • 1975 – Verlängerung des Abbauvertrages mit dem Benediktinerstiftes Admont bis zum Todbau der Lagerstätte
  • 1977/78 – Fertigstellung eines Rampensystems, welches die Abbaue mit der Tagesoberfläche verbindet und den Einsatz, die Reparatur und die
    Wartung großer Abbaugeräte erlaubt
  • 1984 – Aufschlußbeginn der Sohle 250 m
  • 1988 – Untertägige Magnesitförderung mit 30 t LKW von Sohle 250m bis 170m
  • 1991 – Befristete Betriebseinstellung des Bergbaues in Hohentauern
  • 1997 – Endgültige „Heimsagung“ des Magnesitbergbaues, Lösung des Abbauvertrages mit dem Grundeigentümer

 

Graphit – Chronik der Entstehung des Bergbaues

  • 1865 – ließ Albert Ritter von HAUENFELS den Sunkgraben durch Freischürfe bergrechtlich absichern
  • 1871 – begann man unter der Leitung von Albert Ritter von HAUENELS mit dem Abbau des Grafites im Sunkgraben
  • 1882 – ging der Bergbaubetrieb an die Erben von Emmerich MILLER über. Betriebsleitung Erich MILLER Ritter von HAUENFELS gemeinsam mit seinem Schwager Bergdirektor Dipl. Ing. Anton von ROSMINI (1881 – 1957). Der Bergbau war bis zum Jahre 1960 im Besitz der Fa. Miller&CO in Wien.
  • 1907 – umfaßte der Betrieb sieben Kugelmühlen, drei Planherde, eine Luftrocknungsanlage und eine Rohrmühle.
  • 1917 – 1925 und 1934 sicherte die stürmische Entwicklung der Elektroindustrie dem Bergbau Sunk als einzigen Lieferant der Elektrodengrafiten einen guten Absatz.
  • 1927 – Errichtung eines E-Werkes mit 70 Kilowatt Leistung am Eingang des Sunkgrabens. Weitere wurde die erste Lösche Mühle aufgestellt.
  • 1938 – wurde die erste stationäre Preßluftanlage in der Hilda – Stollensohle erbaut
  • 1942 – erfolgte der Erwerb eine E-Werks mit 100 Kilowatt Leistung in Trieben, im selben Jahr vollbrachte der Bergbau die höchste Leistung durch den Abbau von 8.311 t Rohgrafit.
  • 1959 – wurde die Grafitseilbahn aufgelassen, der Grafittransport geschieht mit Lastautos vom Bergbau Sunk
  • 1960 – wurde der Betrieb von der deutschen Fa. Georg H. Luh in Walluf gekauft
  • 1963 – Übernahme durch Franz MAYR-MELNHOF & Co
  • 1991 – kaufte Herr Bergdirektor Dipl. Ing. Walther TWRDY den Bergbau
  • 1993 – Schließung der Betriebsstätte Sunk aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, da das Grafitvorkommen Großteils erschöpft war